Pazza Energia

Konzertkritik: Elisa im Kaufleuten
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Promobild / Allblues

Mit dem Kopf schwenkt sie nach rechts, dann wieder nach links und zurück, ein herzvolles Lachen im Gesicht, ihre Arme, die in einem schwarzen Kimono stecken, reisst sie mit, rechts, links. Elisa hüpft, tanzt und singt gleichzeitig. Und wie sie singt. Ob CD – Player, Spotify oder live im Kaufleuten Zürich, ihre Stimme ist unverändert. Klar, kräftig und zeitgleich sanft.

 

Teenie-Träume

 

Die Frau mit dem breiten Lachen und den funkelnden Augen. Elisa covert Songs wie «Something’s got a hold on me» von Etta James oder «Across the Universe» von den Beatles auf ihre ganz eigene Art. «Kennt ihr diese musikalische Lust, die man als wilder Teenie immer so hatte, den einen Song auf und ab zu spielen, bis ihr eure Mütter wahnsinnig gemacht habt?» Elisa sitzt hinter dem Piano und spielt Etta James’s Song. «Genau das war mein Teenie-Song, wovon meine Mutter nachts träumte.»

 

«Die Beziehung zwischen der Person, die dich auf die Welt gesetzt hat und dir, ist oft die schwierigste.» Das Publikum ist still, anders wie bei den anderen Songs. Alle können den Text, summen ihn aber nur leise mit. Sie wollen Elisa hören. «Electricity», dieser Song berührt. Mit geschlossenen Augen sitzt Elisa hinter dem Piano. «Did you ever ask her how she feels?» - der Refrain wirft Fragen auf. 

 

Der kleine Rockstar

 

Bekanntlich kommt nach der Ruhe der Sturm. «Luce (tramonti a nord est)», das wahrscheinlich bekannteste Lied der Sängerin und Songwriterin stammt aus dem Jahr 2002 und beendet die Stille. Jeder singt mit, auch die siebzigjährige Italienerin, die wegen dem grossen Mann, der vor ihr steht, Elisa nur hören und nicht sehen kann. In der Menge ist auch Pietro, der wohl kleinste Elisa-Fan im Zürcher Kaufleuten. Er sitzt auf den Schultern seines Vaters und schwenkt seine Arme rhythmisch zur Musik. «Ist das dein erstes Konzert, magst du so laute Musik?» Mit beiden Daumen hoch beantwortet der Junge Elisas Frage. «Ja dann bist du meiner Meinung nach ein kleiner Rockstar.»

 

Kein neues Album, keine Promotour. Die vierzigjährige Triesterin hat eine andere Motivation in Europa zu touren. «Ich habe das Touren vermisst, die Konzerte, dieses Feeling, euch.» Elisa mischt an ihrem Konzert im Kaufleuten Zürich alte Songs, mit neuen, englische, italienische, eigene Songs sowie Covers. «Nothing’s gonna change my world, nothing’s gonna change my world.» Vielleicht denkt Elisa beim Performen des Songs «Across the Universe» aus dem Album «Let it be» von den Beatles an ihre Kinder, die im Kaufleuten, im Publikum mitfiebern. 

 

Als Italienerin war ich etwas enttäuscht, dass Elisa nur wenige italienische Songs gespielt hat. Da sie International unterwegs ist, hat sie sehr viele englische Songs gespielt. Das Konzert war trotzdem grossartig, ein Mix zwischen energievollen Elementen und Hühnerhaut-Momenten. Ihrer Stimme könnte ich live stundenlang zuhören. Powerfrau.

 

Valeria Piediscalzi / Mo, 14. Mai 2018